Benedikt Köhler denkt über Das Ende der Blogsphäre nach: “Die Blogosphäre, sowieso von Anfang an ein fragiles, hauchdünnes Gewebe, fasert und franst zunehmend aus.” Aber: “Das Ende der Blogosphäre [bedeutet] nicht das Ende der Weblogs, denn diese Geschichte beginnt gerade erst so richtig spannend zu werden.”
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Lothar Rolke und Johanna Höhn von der FH Mainz haben eine Trendstudie veröffentlicht: Mediennutzungsverhalten in der Web-Gesellschaft 2018. Offenbar sowohl Meta-Studie als auch eigene Befragung von drei Alterskohorte (14-19, 20-25, 35-45). Demnach sollen bis 2018 Tageszeitungen etwa 30 Prozent ihrer Leser verloren, das Netz als Primärmedium bis in höhere Altersgruppen durchgesetzt haben. Rolke sieht deshalb einen Paradigmenwechsel in Werbung und Unternehmenskommunikation. Das Internet werde zum Leitmedium in der Kampagnenplanung. Finde bisher nur die Pressemitteilung, die richtige Studie müßte man sich mal in Ruhe anschauen. (via
Themenblog)
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Ich bin gerade nochmal einen Artikel von Christoph Neuberger durchgegangen, der den Wandel von Öffentlichkeit und Journalismus im Lichte aktueller Online-Formate skizziert.1 Und bin dabei auf eine sehr schöne Fassung des Phänomens gestoßen, dass sich der aktuelle Wandel u.a. durch eine Verschiebung von „kleinen Öffentlichkeiten“ auf mediale Plattformen beschreiben lässt (vgl. auch meinen Vortrag dazu).
“Die oft aufgestellte Behauptung, im Internet entstehe eine “fragmentierte” Öffentlichkeit ist [...] kaum haltbar. Eher das Gegenteil dürfte der Fall sein: Das Internet schafft zunächst eine integrierte Öffentlichkeit, die unterschiedliche Ebenen von Öffentlichkeit in einem Medium verreint. Die Fehlannahme beruht auf einer Art optischen Täuschung: Im Internet wird sichtbar, dass es jenseits der massenmedialen Öffentlichkeit auch bisher schon ‘kleine’ Öffentlichkeiten gab, die durch Medien mit geringer Reichweite (z.B. Flugblatt, Plakat, …) und als Präsenzöffentlichkeiten (z.B. Versammlung, Vortrag, Demo) hergestellt wurden.
Das Internet kittet Medien- und Formatbrüche, die bisher die Weiterverbreitung von Informationen behindert haben. […] Die Durchlässigkeit zwischen ‘kleinen’ und ‘großen’ Öffentlichkeiten wächst durch Vernetzung, die Übergänge werden fließend.” (33)
Das Netz integriert also (vormals durch eine mediale Kluft – bei Gerhards/Neidhardt „Arena und Galerie” – getrennte) Öffentlichkeiten verschiedener Komplexitätsgrade auf einer Medienplattform und trägt so zu einer Integration von Kommunikation bei. Spannend ist dann natürlich die Frage, ob diese vermeintlich wachsende „Durchlässigkeit“ tatsächlich zu einer stärkeren (?) Vermittlung von Kommunikationen aus den einfachen Öffentlichkeiten in komplexe, gesellschaftliche Öffentlichkeit führt.
Und: Gleichzeitig führt diese Medialisierung von einfachen Öffentlichkeiten offenbar dazu, dass diese an Bedeutung gegenüber gesamtgesellschaftlichen Öffentlichkeiten und ihren Themen gewinnen. So könnte man auch die AWA-2008-Zahlen (pdf) lesen, dass das Interesse der 14-29jährigen an „gesellschaftlichen Themen“ zurückgeht. Also doch Fragmentierung?
Neuberger, Christoph. (2008). „Internet und Journalismusforschung: Theoretische Neujustierung und Forschungsagenda“, in: Thorsten Quandt und Wolfgang Schweiger (Hrsg.), Journalismus online – Partizipation oder Profession? Wiesbaden: VS. 17-42. [↩]
Ich habe einen kurzen Vortrag zu Weblogs und ihren Öffentlichkeiten gehalten, meine Folien gibt es hier, einen Video-Stream von meinem Vortrag und anderen (u.a. die Keynote von Andrew Keen und den interessanten Beitrag von Stefan Meier und Christian Pentzold “Basis meets Web 2.0. Praktiken subpolitischer Kommunikation im ‚neuen Netz‘ und deren Erhebung”) auf der Streaming-Seite der TU Ilmenau; die Folien der meisten Vorträge auf der Tagungs-Website.