Auf dem Weg zur Magisterarbeit (1) 15 Dezember 06

Ich sitze (wie Betram) gerade an der Vorbereitung meiner Magisterarbeit. Es geht mir darum, zu untersuchen, durch welche Mechanismen sich über das Netz Öffentlichkeiten herausbilden und so bestimmten Themen und bestimmten Deutungsmustern Relevanz zugeschrieben wird. Eigentlich sollte es gar nicht um Weblogs gehen. Geht es jetzt aber doch.

Im Vorlauf der Vorbereitung hat es sich ergeben, dass – zumindest im empirischen Teil – nicht die Strukturprinzipien dieser neuer Öffentlichkeiten (wie Jan sie nennt) im Vordergrund stehen, sondern vielmehr die Aushandlungsprozesse zu ausgewählten Themenfällen und die Frage, ob sich ähnliche Deutungsmuster durchsetzen wie in tradtionellen Medienformaten.

Ich werde hier Teile des Exposés veröffentlichen. Über Kommentare, Hinweise und Kritik freue ich mich und entschuldige mich für die – klar – eher auf die Wissenschaft zielende Erzählform.

Entwicklung der Fragestellung

Mit dem Aufkommen von Weblogs, Foto- und Video-Portalen und kollaborativen Websites haben sich in den letzten Jahren neue Formate der Berichterstattung über Welt und Alltag entwickelt, die sich als Formen eines „partizipativen Journalismus“ (Lasica 2003; Bowman/Willis 2003) oder „Bürger-Journalismus“ (Gillmor 2004) verstehen lassen. Nach der medienwissenschaftlichen Internet-Euphorie der 1990er Jahre und der nüchternen Debatte um „Online-Journalismus“ als „Ableger der traditonellen Medien im Netz“ (Altmeppen et al. 2000: 132; Löffelholz et al. 2003) nach 2000 gerät nun wieder das Potenzial des Internet für einen „neuen Strukturwandel der Öffentlichkeit“ (Neuberger 2006; Bucher/Büffel 2006) in den Blick. Tasächlich scheinen sich die neuen Formen der Internet-Kommunikation – Weblogs, Video-Portale und kollaborative Websites – in einem wesentlichen Aspekt von herkömmlichen Homepages zu unterscheiden: sie stellen Mechanismen der Strukturierung von öffentlicher Kommunikation zur Verfügung. Es bilden sich dabei Vermittlungsstrukturen heraus, die die Nutzer selbst an der Selektion, Kommentierung und Weiterverbreitung von medialen Erzeugnissen beteiligen und so eine wechselseitige Bezugnahme öffentlicher Kommunikation ermöglichen.

Diese Arbeit möchte die Funktionweise von Weblogs und kollaborativen Websites als Vermittlungssystemen in zweierlei Hinsicht untersuchen: Zum einen gilt es, Strukturprinzipien herauszuarbeiten, die das Herausbilden von Öffentlichkeiten in diesen Vermittlungssystemen beschreiben können. Zum anderen soll geklärt, ob und inwiefern sich die mediale Wirklichkeit dieser Formate von traditionellen, professionell-redaktionell produzierten Medienerzeugnissen unterscheidet. Welche Deutungen und Frames dominieren ein Thema in den unterschiedlichen Formaten, welche diskursiven Repertoires prägen eine Debatte, welche Akteure können sich wo artikulieren und werden wahrgenommen?

Teil 2: Theoretischer Hintergrund und Forschungsfrageb

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Diskussion 4 Kommentare bislang

  1. *dom

    Interessantes Vorhaben! bin gespannt auf Resultate ;)

    schreibe gerade auch an meiner MA und liege thematisch nicht all zu weit von Dir entfernt. Thema “Meinungsbildung im Web – Strukturwandel der Öffentlichkeit 2.0!?”

    Schöne Grüße
    *dom

  2. Christian Katzenbach

    Oh, das freut mich! Gespannt bin ich auch – auf unser beider Resultate :-)

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