Studie zu Wikipedia: Artikel werden von Experten besser bewertet als von Laien 23 November 06

In First Monday ist eine neue Studie zu Wikipedia und der Glaubwürdigkeit der Artikel erschienen. Der spannende Ansatz dieser Studie von Thomas Chestney ist es, manchen Wissenschaftlern Artikel aus ihrem Forschungsgebiet vorzulegen und anderen zufällig ausgewählte.


Das Ergebnis gefällt mir sehr gut: Experten bewerten die Glaubwürdigkeit eines vorgelegten Artikels höher als Laien!

. There is a difference between the mean responses when assessing the article’s credibility, significant at the 10 percent level. The oddity is the direction of this difference — the experts rated the articles as being more credible than the non–experts

Warum das so ist? Chestney erhebt auch eine Variable “cynicism towards information from the internet” und findet keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Deshalb lehnt er die Skepsis gegenüber Informationen aus dem Internet als Erklärung ab. Auch in der Zuschreibung von Galubwürdigkeit gegenüber Wikipedia insgesamt findet er keine signifikanten Unterscheide. Chestney schließt daraus schlicht:

This suggests that the accuracy of Wikipedia’s information is high.

Ja, wahrscheinlich. Aber eine Erklärung für die unterschiedliche Wahrnehmung ist das doch noch nicht. Meines Erachtens gibt es zwei mögliche Interpretationen:

(1) Die meisten Wikipedia-Artikel sind tatsächlich gut und Experten sehen das. Nicht-Experten können das eben nicht so richtig beurteilen und bewerten den Artikel deshalb aus Vorsicht etwas niedriger. Auch wenn die Gruppen sich also in ihrer Beurteilung von Wikipedia und von Information aus dem Internet allgemein unterscheiden, so unterscheiden sie sich eben in ihrem Verhalten – je nachdem, ob sie Experte bezüglich eines Themas sind oder nicht.

(2) Die zweite Interpretation dieser Ergebnisse bezieht sich auf die Validität der Ergebnisse. Kann es nicht an den Artikeln selbst gelegen haben, dass sie unterschiedlich bewertet wurden? Denn Chestney legt Experten extra ausgewählte Artikel aus ihrem Forschungsfeld vor, die Kontrollgruppe bekommt hingegen zufällig ausgewählte. Da scheint es mir gut möglich, dass die Artikel zu speziellen Forschungsfragen schlicht besser sind als zufällig ausgewählte Artikel (auch wenn Chestney gerade erst begonnene – “stubs” – und umstrittene Artikel herausgenommen hat). Diese Möglichkeit schließt Chestney meines Erachtens nicht aus.

Aber in jedem Fall: ein guter Artikel mit einem sehr schönen Forschungsansatz.

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