ARD-ZDF-Online-Studie: 4 oder 21 Mio. Nutzer von Audio-Formaten? 10 Oktober 06

Was ist mit den Zahlen los? Ich gehe gerade die Artikel der neuen ARD-ZDF-Online-Studie besonders bezüglich der Nutzung von Radio-/TV bzw. Video-Angeboten durch. Und stolpere dauernd über unterschiedliche Zahlen und Kategorien. Ich notiere hier meinen Klärungsversuch.


Radio
Oehmichen und Schröter schreiben auf S. 444, dass 12% der Online-Nutzer “Audiodateien im Internet anhören” und 7% “Live im Internet Radion hören.” Da das zweite vermutlich eine Unterkategorie der ersten ist, nutzen demnach 12% der “Onliner” Audio-Angebote. Fisch und Gscheidlich schreiben von 24% “Live-Radionutzung”. Wo kommen denn die her? Dazu kommen 31% “Abruf von Audiodaten”. Zudem gibt es hier noch den Eintrag “Podcasting” mit 6% der Online-Nutzer, den man vermutlich unter “Abruf” subsumieren kann. Es gibt hier also insgesamt 55% Audio-Nutzer.

Video/TV
Auch bei Video-Formaten gibt es Unklarheiten: Nach Oehmichen und Schröter haben nur 7% der Online-Nutzer bislang Videos im Internet angesehen oder sich welche heruntergeladen. Fisch und Gscheidle dagegen 20% Abruf von Videodaten plus 7% “Live-TV-Nutzung im Internet”, zudem 3% Videocasts.

Die Unterschiede sind ja gravierend: Nutzen nun 12% oder 55% bzw. 4,6 Mio. oder 21 Mio. Audio-Formate, 7% oder 27% bzw. 2,7 Mio. oder 10,4 Mio. Video-Formate? Der Differenzen ergeben sich aus der Nutzungshäufigkeit. Die ARD-ZDF-Online Studie nennt allgemein die Kategorien “gelegentlich” und “innerhalb der letzten vier Wochen”. Aber offenbar gibt es im Datensatz noch feinere Kategorien. Oehmichen und Schröter nutzen die Einschätzung “mindestens einmal die Woche”, Fisch und Gscheidle hingegen “zumindest selten”.

Offenbar werden Audio- und Video-Formate von der Mehrheit bislang nur ausprobiert oder sehr selektiv genutzt. Eine routinierte Nutzung gibt es nur bei wenigen. Ob das bei jungen Nutzern anders ist? Das läßt sich anhand der Artikel leider nicht sagen, da Oehmichen und Schröter die Zahlen nur für ihre OnlineNutzerTypologie aufschlüsseln, nicht aber nach Alter. Die “jungen Hyperaktiven” (! – schöner Typ, oder?) nutzen Bild- und Tonformate zumindest sehr stark (71% Audio, 67% Video).

Ausserdem: Diese Differenzen zeigen auch ganz schön, wie man sich die Zahlen aus eienr Umfrage herauspicken kann, die einem gefallen. Oehmischen und Schröter nehmen “mind. einmal die Woche” und können so zeigen, dass die neuen Dienste von sehr wenigen genutzt werden (ihr Artikel heißt: “Verzögerte Aneignung”). Fisch und Gescheidle sprechen über Breitband und die neuen Dienste, nehmen “zumindest selten” und kommen so zu recht hohen Zahlen.
• Zu den Zahlen über Blogger und Weblog-Nutzer hat sich übrigens Jan Schmidt Gedanken gemacht [1, 2].
• Weltenkreuzer weist darauf hin, dass diese Zahlen auch etwas mit der Debatte um die geplante GEZ-Gebühr für Computer zu tun haben.

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Diskussion 6 Kommentare bislang

  1. Holger

    Danke für die Zusammenfassung.

    Das zeigt schön, wie schwierig es ist, mit solchen Daten eine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben. Wer bis zur Quelle recherchiert, kann auf jeden Fall besser argumentieren (also bis zu Fragebogenfrage, Stichprobenerhebung, usw.).

  2. Gerrit

    Genau aus diesem Grund traue ich keine Statistik, die auf Umfragen basiert. Hat der Kanzler letztes Jahr auch nicht gemacht und Recht behalten. Mein Bauchgefühl ist da deutlich präziser. Kann zwar nicht wissenschaftlich bewiesen werden, ist mir aber egal.

  3. martin

    hallo, ich bin leider erst jetzt auf die Seite gestossen. Von daher ein “später” Aufklärungsversuch:
    Das bei den verschiedenen Artikeln unterschiedliche Häufigkeiten zusammengefasst werden (zumindest gelegentlich, zumindest wöchentlich) ist unglücklich, aber durch diese Form der Abfrage erklärbar. Trotzdem einen Hinweis zum addieren der Zahlen oben, in der Form oben ist es nämlich nicht korrekt, da diese Form der Addition nicht die Nutzer berücksichtigt, die mehrere Audioformen nutzen. Die wenigsten nutzen “nur” Podcast oder “nur” Webradio. Alle anderen Audionutzer, die sowohl Webradio und z.B. ebenfalls Podcast nutzen wären in der obigen Rechnung doppelt gezählt worden. Richtig wäre, ihn nur einmal als Audionutzer zu zählen. Der errechnete Wert von 55% Audionutzer ist deshalb nicht richtig. Der ausgewiesene nettowert für die Onlinestudie 2006 für Audionutzer liegt bei 40% der Onliner, die zumindest gelegentlich Audio nutzen (egal ob Podcast, Webradio usw.) und 12% der Onliner, die zumindest wöchentlich “Audio” nutzen. Hier zeigt sich dann auch noch mal, dass beide Aussagen ihre Berechtigung haben. Wenn Audio im Internet genutzt wird, dann größtenteils nicht regelmässig. Quelle:http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/fileadmin/Online06/Online06_Nutzung.pdf Seite 409
    Viele Grüße,
    Martin

  4. martin

    hallo, ich bin leider erst jetzt auf die Seite gestossen. Von daher ein “später” Aufklärungsversuch:
    Das bei den verschiedenen Artikeln unterschiedliche Häufigkeiten zusammengefasst werden (zumindest gelegentlich, zumindest wöchentlich) ist unglücklich, aber durch diese Form der Abfrage erklärbar. Trotzdem einen Hinweis zum addieren der Zahlen oben, in der Form oben ist es nämlich nicht korrekt, da diese Form der Addition nicht die Nutzer berücksichtigt, die mehrere Audioformen nutzen. Die wenigsten nutzen “nur” Podcast oder “nur” Webradio. Alle anderen Audionutzer, die sowohl Webradio und z.B. ebenfalls Podcast nutzen wären in der obigen Rechnung doppelt gezählt worden. Richtig wäre, ihn nur einmal als Audionutzer zu zählen. Der errechnete Wert von 55% Audionutzer ist deshalb nicht richtig. Der ausgewiesene nettowert für die Onlinestudie 2006 für Audionutzer liegt bei 40% der Onliner, die zumindest gelegentlich Audio nutzen (egal ob Podcast, Webradio usw.) und 12% der Onliner, die zumindest wöchentlich “Audio” nutzen. Hier zeigt sich dann auch noch mal, dass beide Aussagen ihre Berechtigung haben. Wenn Audio im Internet genutzt wird, dann größtenteils nicht regelmässig. Quelle Onlinestudie 2006, MediaPerspektiven Seite 409
    Viele Grüße,
    Martin

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  1. Thomas Wanhoffs Weblog » ARD-ZDF-Onlinestudie: Dürfens ein paar mehr sein?
  2. katzenbach.info » Europäer häufiger an der Tastatur als hinter der Zeitung


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