Neues Webmagazin: WebWatching (… und warum man das nicht in Flash machen sollte) 31 Januar 06

Es gibt ein neues Webmagazin: WebWatching ist ein Interview-Magazin, das den Trends der Netzkultur nachspüren will. In 19 Interviews mit deutschen “Trendforschern und Datendichtern, Wikipedianern und Medienphilosophen, Kommunikationswissenschaftlern und Online-Monopolisten” geht es meist um die Auswirkungen von Weblogs, Wikis und freier Software auf den Journalismus.

Schön gemacht. Gute Fragen. Meist interessante Antworten. Schickes Design. Gut zu lesen. Glückwünsche nach Hamburg! Bei uns ensteht sowas nicht (nur das und das).

Aber: Muss man das heute wirklich komplett in Flash machen (und: nur mit aller-aktuellstem Flash-Player nutzbar)?

Warum man das vielleicht nicht machen sollte?

  • Man braucht den FlashPlayer 8. Jaja klar: “Das Flash-Plugin ist doch heute in jedem Browser gleich mit drin.” Ich dachte auch, dass der hellgraue Hinweistext für mich uninteressant ist. Aber bitte genau lesen – auch wenn die Farben das schwer machen: FlashPlayer 8. Ja – 8! Die aktuellste Version also. Und wer den nicht hat und trotzdem weiterklickt, dem geht’s wie mir: Es scheint alles zu klappen, dann steht man vor einem Editorial, das in so kleinen Buchstaben dargestellt wird, das die Augen brennen und dann kommt man nicht weiter. Man sucht und sucht. Udn kommt nicht weiter. Weil man Version 7 und nicht 8 hat. sagt einem aber keiner. Nicht nett.
  • Man kann nur direkt auf die Homepage linken. Das ist ärgerlich (besonders wenn dann jeder erst noch “Start” klicken, 20 Sekunden Intro abwarten oder den “Überspringen”-Link finden muss, bevor der erste Text auftaucht). Ich kann Euch nicht direkt zum guten Interview mit Hans-Jürgen Bucher schicken, sondern Ihr müsst Euren Weg selbst finden.
  • Sichtbarkeit, Prominenz und Einfluss von WebWatching im Netz wird das auch nicht gerade bewirken. Suchmaschinen, Weblogs, deli.cio.us und Co. können nur gut mit direkten permanenten Web-Adressen umgehen (dieses Problem scheint ja nun auch die New York Times zu haben). Im gelungenen Editorial schreibt Bernhard Pörksen: “[...] Online gelten die Gesetze der Aufmerksamkeitsökonomie in verschärfter Form: Was nicht wahrgenommen wird, existiert nicht.” Stimmt. Aber mit der Flash-Seite hat man sich da keinen Gefallen getan.
  • Die kompletten Texte sind auch in Flash versteckt. Keine Suchmaschinen kann das lesen und indizieren. Und kein Nutzer kann das Kopieren (z.B. um zu zitieren oder gute Texte zu archivieren)

Gibt sicherlich noch viel mehr Gründe, die dagegen sprechen, eine Website für ein Magazin zur Netzkultur komplett in Flash zu machen. Aber das reicht mir erstmal. Ich verstehe es auch nicht. Wie kann man über Weblogs, Wikis und Journalismus schreiben und sich gleichzeitig selbst völlig vom Online-Diskurs abtrennen? Schade, schade.
Nichtsdestotrotz: Die Texte sind spannend. Weiter so – mit den Texten und nicht mit dieser Website! (Geht es überhaupt weiter?)

(via Bloogle)

Nachtrag: Glück auf’s Andreas findet Flash auch blöd. Und Spreeblicks Johnny auch.

Nachtrag (02.02.06): Jetzt gibt es auch eine html-Version. Gut reagiert, Respekt. Dank an Kossatsch für den Hinweis.

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Diskussion 4 Kommentare bislang

  1. Kossatsch

    Jetzt (?) geht es auch mit HTML: http://www.webwatching.info/editorial.php

  2. Christian Katzenbach

    Oh ja – danke für den Hinweis. Dann haben sie ja schnell auf die Kritik reagiert (?). Oder war das eh geplant… Dann war der Flash-only Start aber etwas unglücklich…. (oder doch geplant, um etwas Wellen in der Blogosphäre zu schlagen?).

  3. martin

    danke für den Tipp. Martin

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  1. katzenbach.info » Gut gestreut


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